15. Türchen

Die Geschichte als Podcast

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Himmlische Chöre

Heute ist es ziemlich laut in der Kapelle der Stiftung. Viele Kinder und Erzieher treffen sich zum gemeinsamen Probesingen für den Weihnachtsgottesdienst. Denn am Heiligen Abend ist die ganze Kirche voller Menschen. Auch der Pastor ist da und schaut sich den Trubel in der Kapelle an. Bald beginnt die Probe und bei so manchem Sänger sitzt noch nicht jeder Ton. Auch Lisa singt im Chor mit, doch heute will ihre Stimme einfach nicht so richtig. Ganz traurig sitzt sie während der Pause auf der Kirchenbank.
Da setzt sich der Pastor neben sie und tröstet Lisa: “Du brauchst nicht traurig sein Lisa, denn die Menschen freuen sich über jeden Gesang am Heiligen Abend. Da ist es ganz egal, ob jede Note stimmt. Auch bei den Engeln an der Krippe Jesu gab es dieses Problem…“

…Damals, als ein Engel verkündete, dass Jesus geboren sei, herrschte im Himmel große Aufregung. Alle Engelschöre wollten dem Jesuskind huldigen und ihm ein Halleluja singen. Lukas, ein kleiner Engel, war aber zutiefst besorgt, denn auch er wollte am Lobgesang teilnehmen, aber seine Stimme klang seit jeher wie eingetrocknete Ölschmiere. Daher hatte Lukas auch schlechte Laune, obwohl es genug Grund zur Freude gab. „Ich muss üben, üben, üben!“, entschloss er sich dann blitzschnell.
Er räusperte sich, holte tief Luft und dann kam auch schon das erste krächzende Halleluja über seine Lippen. „Halleluja! Halleluja! Halleluja!“ Seine Enttäuschung war groß, aber er versuchte es immer wieder, bis plötzlich ein anderer, davon genervter Engel ihn bei seinem Übungsgesang unterbrach: „Lukas! Das ist ja nicht zum Aushalten. Dein Rabengekrächze geht einem ja durch Mark und Bein!“ „Aber ich muss doch üben! Ich will doch dem Jesuskind mit meinem Gesang eine Freude machen!“, antwortete Lukas beleidigt.
„Aber so geht das nicht!“, und der Engel zog ihn am Ärmel zu sich heran und flüsterte ihm ins Ohr. „Soll ich dir was verraten?“ Lukas nickte nur.
„Besorge dir etwas Mandelöl und gib es dann in wenig Wasser. Damit gurgle dreimal kräftig auf. Das wirkt Wunder!“
So wie der Engel gesagt hatte, tat Lukas es auch. Voller Hoffnung setzte er danach seine Gesangsprobe fort. Aber seine Stimme klang immer noch wie ein verrostetes Reibeisen.
„Es hat nichts geholfen!“, sagte er mit weinerlicher Stimme. „Was soll ich nur tun?“
Wieder ein anderer Engel hatte Lukas schon eine Zeit lang beobachtet. Auch er wollte Lukas einen gut gemeinten Rat geben: „Du musst heiße Milch mit viel süßem Bienenhonig und acht Tropfen Pfirsichöl trinken. Davon wird deine Stimme einen sanften lieblichen Klang erhalten!“
Lukas tat wieder, was ihm der Engel geraten hatte. Er trank einen Becher, zwei Becher, drei Becher… sechs Becher Milch mit Honig und Pfirsichöl, in der Hoffnung, seine Stimme würde danach klingen wie feinste Geigenmusik. Aber nichts! Auch dieses Mal war alle Mühe umsonst gewesen, seine Stimme klang weiterhin alt und müde.
Lukas war sehr, sehr traurig, denn die anderen Engel machten sich schon auf den Weg nach Bethlehem. Er wollte doch auch dem Heiland seine Ehre erweisen. Auf dem Weg zum Stall kam aber ein dritter Engel bei Lukas vorbei und sah ihn zerknirscht nach Bethlehem blicken. „Lukas! Was ist los? Kommst du nicht mit?“
„Ich kann nicht! Mein scheußlicher Gesang würde den “Heiland der Welt“ nur verärgern!“
„Was redest du da für einen Unsinn! Auch meine Stimme gehört nicht zu den Besten, aber das Kind in der Krippe wird es spüren, dass mein Gesang von Herzen kommt! Also komm jetzt, bevor es zu spät ist!“
Lukas hatte keine Zeit mehr für lange Überlegungen, denn der Engel zog ihn einfach mit zum Stall nach Bethlehem. Der Engelschor sang und im Himmel und auf Erden ertönte das größte dankende Halleluja aller Zeiten. Als Engel Lukas das Kind in der Krippe liegen sah, klang auch sein Lied für ihn wunderschön.