2. Türchen

Der Vater von Franziska Christine: Theodor Eustach.

Die Geschichte als Podcast

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Das Tagebuch von Franziska Christine

Teil 1:

In der Gruppe “Regenbogen“ geht es nun wirklich „bunt“ her. Ist doch seit gestern tatsächlich ein kleiner Engel in der Gruppe zu Besuch. Das hat in der großen Stiftung natürlich schnell die Runde gemacht! Alle Kinder und viele Erwachsene schauen in der Kindergruppe vorbei, um den Engel zu sehen.
Am nächsten Tag wurde es dem Engel ein bisschen zu viel. So entscheiden Lisa und ihr Freund Max, mit dem Engel das Stiftungsgelände unsicher zu machen.
„Da du ja ein Engel bist, zeigen wir dir als Erstes unsere schöne Kapelle!“, erzählen beide dem Engel ganz aufgeregt. Und so schleichen sie sich unbemerkt in die Kapelle, um sich dort ein wenig umzusehen.
Da sie ohne Erwachsene hier sind, treiben sie auch ein wenig Schabernack. So läuten Lisa und Max die Glocken am Altar, setzen sich in den Priesterstuhl und spielen Pastor und Messdiener. Der kleine Engel schaut sich währenddessen ganz genau die Kapelle an. Es ist nicht die größte Kirche, in der er war, aber dennoch ist sie sehr hübsch. Besonders der große Altar mit den vielen glänzenden Goldstrahlen hat es dem kleinen Engel angetan.
Und so fliegt der Engel nach oben und schaut sich den Altar aus der Höhe noch einmal genauer an. Von oben sieht der Engel, wie Lisa und Max um den großen Altar “Räuber und Gendarm“ spielen. Plötzlich fällt Max zu Boden. Ein lautes Poltern ist zu hören und beide erschrecken sich sehr.
Was war passiert? Die Kinder schauen sich um, irgendwoher musste ja das Geräusch gekommen sein. Auf einmal entdeckt Lisa unter dem Altar eine hölzerne Klappe die herausgerutscht war. Neugierig schauen sie hinein und finden ein altes, in Leder eingebundenes Buch. Es trägt den Titel: „Das Tagebuch von Franziska Christine von Pfalz-Sulzbach, Äbtissin zu Thorn und Essen“. Aufgeregt rufen sie den kleinen Engel herbei und gemeinsam beginnen sie, darin zu blättern und vertiefen sich mehr und mehr in die Geschichte…

„Kurz vor meinem sechsten Geburtstag…“
Liebes Tagebuch, hier schreibe ich die Erinnerungen an meine frühe Kindheit auf.
Ich, Franziska Christine, wurde am 16. Mai 1696 im gräflichen Schloss zu Sulzbach geboren. Mein Vater Theodor Eustach und meine Mutter Maria Eleonore waren gute Eltern. Meine Eltern und auch mein Großvater hatten mich sehr lieb. Meine Geschwister und ich haben in unserem großen Schloss so gerne Verstecken gespielt. Und oft mussten unsere Amme und die Diener uns dann in den vielen Zimmern suchen.
Doch eines Tages, ich war noch keine 6 Jahre alt, ging diese unbeschwerte Zeit vorbei. Schon seit längerer Zeit bekam ich mit, dass meine Eltern etwas Besonderes planten, an dem die ganze Großfamilie beteiligt war. Es war ein schöner Tag, die Sonne schien und die Luft war herrlich warm. An diesem Tage ließen sie mich zu sich rufen.
Ernst schauten mich mein Vater und meine Mutter an. Meine Mutter seufzte ein wenig, als mein Vater zu sprechen begann: „Franziska, unsere liebe Tochter, du bist nun fast 6 Jahre alt und es wird Zeit, dass du etwas lernst. So haben deine Mutter und ich beschlossen, dich zu deiner Tante Eleonora nach Thorn zu geben, damit du im dortigen Stift zu einer klugen und starken Frau heranwachsen kannst. In Thorn kann dir eine Erziehung und Bildung garantiert werden, die wir hier in Sulzbach nicht leisten können. Es ist etwas ganz Besonderes, dort aufgenommen zu werden. Deine Herkunft und deine Familie können dir dies ermöglichen.“
Zunächst verstand ich die Worte meiner Eltern nicht. Doch dann begriff ich nach und nach, was sie sagten. Ich sollte mein geliebtes Sulzbach, unser Schloss, die Gärten und alles, was mir lieb und vertraut war, verlassen! Tränen stiegen mir in die Augen und mühsam fragte ich „Wann?“. Meine Mutter antwortete, auch sie mit leicht gebrochener Stimme: „Schon morgen wirst du aufbrechen.“
Traurig rannte ich davon und versuchte ,mich zu verstecken. Aber ich wurde gefunden. So setzte man mich am folgenden Tag in die Kutsche und ich winkte noch lange, auch noch, als ich meine Eltern und den lieben Großvater schon längst nicht mehr sehen konnte…

Die Geschichte Franziska Christines geht im nächsten Türchen weiter…