22. Türchen

Die Geschichte als Podcast

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Stille Nacht, heilige Nacht

Lisa ist in ihrem Kinderzimmer und hört sich mit dem kleinen Engel die Weihnachtskassette von Benjamin Blümchen an. Richtig festlich feiert Benjamin mit seinen Freunden. Plötzlich erschallt aus dem Rekorder „Stille Nacht! Heilige Nacht!“.
„Oh, wie schön“, ruft der kleine Engel, „das ist mein Lieblingsweihnachtslied der Menschen.“
Auch Lisa findet dieses Lied sehr schön. „Weißt du eigentlich, wie das Lied entstanden ist?“, fragt sie der kleine Engel. Nein, das weiß Lisa wirklich nicht.
„Dann nehme ich dich mit auf eine Reise in die Vergangenheit und zeige es dir!“, ruft der kleine Engel voller Freude und fliegt auf Lisas Schulter. Auf einmal beginnt das ganze Zimmer sich mit einem goldenen Lichterschein zu füllen.
Lisa bekommt ein wenig Angst, aber der kleine Engel beruhigt sie und flüstert ihr zu: „Mach nun die Augen zu und zähle laut bis Drei! Dann sind wir schon an unserem Ziel angekommen.“ Lisa kneift die Augen fest zu und beginnt langsam zu Zählen: „Eins, Zwei,“, „Puh – hoffentlich klappt alles“, denkt Lisa noch schnell, „und Drei!“
Lisa öffnet ihre Augen und kann kaum glauben, wo sie ist. Sie ist nicht mehr in ihrem Kinderzimmer, sondern schwebt mit dem kleinen Engel vor einer Kirche. Es ist dunkel und überall liegt Schnee. In der Ferne sind einige große Berge zu erkennen. In der Kirche brennt Licht und es ertönt eine Gitarre. Gerade will Lisa den kleinen Engel fragen, wo sie sind, da hört sie – ganz leise – Menschen in der Kirche singen:

„Stille Nacht! Heilige Nacht!
Alles schläft. Einsam wacht
Nur das traute hochheilige Paar.
Holder Knabʼ im lockigen Haar,
Schlafe in himmlischer Ruh!
Schlafe in himmlischer Ruh!“

„Wir sind hier im kleinen Dorf Oberndorf in Österreich“, erklärt der Engel nun Lisa leise, während sie beide weiter dem Gesang lauschen. „Fast so alt wie die Fürstin-Franziska-Christine-Stiftung ist das Lied Stille Nacht. Wir beide sind nun weit in der Vergangenheit. Heute ist der 24. Dezember 1818 und hier wurde das erste Mal dieses Lied in einem Gottesdienst gesungen.
Ein Priester namens Joseph Mohr hat es geschrieben und den Lehrer und Organisten des Dorfes Franz Xaver Gruber gebeten, es zu vertonen. Leider ist die Orgel an diesem Weihnachten kaputt, deswegen spielt es der Franz Xaver auf seiner Gitarre.“
Lisa und der kleine Engel schleichen sich in die Kirche und lauschen dort dem Gottesdienst. Alles ist festlich und friedlich.
„Die Menschen im Jahr 1818 sehnten sich sehr nach Ruhe und Frieden“, erzählt der kleine Engel Lisa. „In den Jahren zuvor gab es Kriege, Hungersnöte und einen schlimmen Vulkanausbruch, der den Himmel für viele Monate verdunkelte.“
Lisa schaut sich die Menschen in der Kirche genauer an. „Die Menschen sehen müde aus.“, flüstert Lisa leise zum Engel. Dieser nickt und erwidert: „Das stimmt Lisa, aber ihre Herzen füllen sich gerade mit der Freude der Weihnacht. Deswegen wird dieses Lied auch in den nächsten 200 Jahren immer noch voller Freude gesungen, denn es bringt Frieden und Freude in die Herzen der Menschen“.
Das kann Lisa sehr gut verstehen. Im Weihnachtsgottesdienst in der Stiftung, singen die Menschen auch voller Freude dieses Lied. „Lass uns nun nach Hause gehen lieber Engel“, bittet Lisa und schon erstrahlt das goldene Licht um beide herum und Lisa schließt ihre Augen…