3. Türchen

Die Geschichte als Podcast

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Das Tagebuch von Franziska Christine

Teil 2:

„Mein neues Leben in Thorn…“
Liebes Tagebuch, schwer fiel mir der Abschied von meiner Familie und meiner Heimat…
Die Fahrt in der Kutsche kam mir endlos vor und dauerte viele Tage. Ich war sehr traurig. Aber es war auch ein bisschen spannend, denn ich sah Länder und Städte, die ich noch nie gesehen hatte, hörte Sprachen, die mir so unverständlich waren.
Und neben dem Abschiedsschmerz erwachte in mir auch die Neugier, was mich wohl in diesem Neuen, wie hieß es noch gleich, ach ja Thorn, erwarten würde.
Inzwischen wusste ich, dass meine Tante Eleonora zu Löwenstein-Wertheim-Rochefort dort schon seit über 10 Jahren die Leiterin und Äbtissin des Damenstiftes war. Von ihr hatte ich bislang selten etwas gehört. Wie sie wohl war?
Nach ungefähr zwei Wochen erreichten wir Thorn und schon von Weitem erblickte ich die mächtigen Stiftsgebäude. Hier musste ein ganz besonderer Ort sein. Als wir in den Hof einfuhren, war mir doch ein wenig ängstlich zumute. Schüchtern trat ich aus der Kutsche und stand direkt vor Tante Eleonore, die mich freundlich anblickte.
„Hallo Franziska, meine geliebte Nichte. Schön, dass du da bist. Wir haben auf dich gewartet. Wir werden deine Sachen in deine Kammer bringen und dann werde ich dir alles zeigen.“
Und so begann meine Zeit in Thorn, eine Zeit, die erfüllt war mit regelmäßigem Gebet, mit vielem Lernen, mit Freude und auch, ja ich will es nicht verschweigen, auch mit Traurigkeit und Heimweh.
Es war eine Zeit, die mein ganzes Leben prägen sollte.

„Schwere Entscheidungen…“
Liebes Tagebuch, wie sollte ich mein Leben als Erwachsener führen?
Bald musste ich mich entscheiden…
Die Jahre vergingen und kurz vor meinem 21. Geburtstag dachte ich, dass ich nun alles gelernt hatte und nun gut auf mein weiteres Leben vorbereitet war. Ich hatte miterlebt, wie einige Stiftsdamen, die, wie ich, im Damenstift lebten, Thorn verlassen und einen Fürsten geheiratet haben.
Meine Tante Eleonora war 10 Jahre zuvor verstorben und hattte mich zu ihrer Universalerbin eingesetzt. Nun war auch ihre Nachfolgerin Anna Juliana Helena von Manderscheid-Blankenheim gestorben und es wurde eine Nachfolgerin gesucht.
Mir war inzwischen sehr bewusst geworden, wie bedeutend es für die Familie war, ein solches Amt ausführen zu dürfen. Sollte ich mich um das Amt bewerben oder sollte ich einen standesgemäßen Mann heiraten oder mich wie meine ältere Schwester für das Leben als Nonne entscheiden?
Meine Familie und meine Verwandten bestärkten mich in dem Wunsch, Äbtissin zu werden und unterstützten mich mit allen Möglichkeiten. Dermaßen gestärkt und im Vertrauen auf Gott bewarb ich mich für dieses Amt und wurde am 31.Mai 1717 von den 10 Stiftsdamen und 6 Kanonikern zur Äbtissin in Thorn gewählt.
Eine große Ehre und eine große Verantwortung. Da ich erst 21 Jahre jung war, musste hierzu die Erlaubnis des Papstes eingeholt werden.
Und ich begriff, ähnlich wie damals als 6-jährige, dass dieser Schritt ebenso bedeutend für mein weiteres Leben sein würde…

Die Geschichte Franziska Christines geht im nächsten Türchen weiter…